Sprungbrett ins Ehrenamt
Juleica stärkt Jugendliche und hält Kirche lebendig
Als Helene Wermbter im Herbst 2023 zur Juleica-Ausbildung fährt, ist sie zunächst skeptisch. „Eine Woche weg mit anderen Jugendlichen – darauf hatte ich erst nicht so Lust“, erinnert sich die 17-Jährige aus Nackenheim. Heute sitzt sie im Vorstand der Dekanatsjugend und engagiert sich bei zahlreichen Projekten. Für sie wurde die Juleica zum Sprungbrett ins Ehrenamt.
Ähnlich begann auch der Weg von Philipp Flick. Der 17-Jährige aus Oppenheim hilft bereits seit Jahren in seiner Kirchengemeinde mit, begleitet Konfirmandenfreizeiten und unterstützt Gottesdienste. Die Juleica-Ausbildung absolvierte er, um mehr Sicherheit für seine Aufgaben zu gewinnen. „Die Schulung hat mir geholfen, einen besseren Überblick zu bekommen“, sagt er.
privatDie Jugendleiter-Card (Juleica) ist die bundesweit anerkannte Ausbildung für ehrenamtliche Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit. Im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim verbringen die Teilnehmenden dafür eine gemeinsame Woche zumeist in einem Selbstversorgerhaus. Auf dem Programm stehen Gruppenpädagogik, Entwicklungspsychologie, Spielepädagogik, Aufsichtspflicht, Jugendschutz und der Schutz des Kindeswohls. Hinzu kommen praktische Themen wie das Leiten von Freizeiten, Kreativangebote, Erzählen, Singen mit Gruppen und spirituelle Impulse. „Wir nutzen die Kombination aus Theorie und Praxis, Wissen und Erfahrungen“, erklärt Dekanatsjugendreferentin Britta Nicolay. „Die Jugendlichen sollen am Ende gut vorbereitet sein für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.“
Doch die Ausbildung soll weit mehr vermitteln als Fachwissen. „Persönlichkeitsförderung steht für mich absolut im Fokus“, sagt Nicolay. Jugendliche sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, Herausforderungen anzunehmen und ihre eigenen Stärken zu entdecken.
Hilke Wiegers „Ich habe als Kind tolle Erfahrungen in der Kirche gemacht – und genau das möchte ich heute weitergeben.“
Helene Wermbter
Genau das erlebte Helene während ihrer Ausbildungswoche. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Einheit zur Gestaltung von Andachten. Die Teilnehmenden entwickelten eigene Ideen, schrieben Gebete und präsentierten ihre Konzepte. „Man wird selbstbewusster und bekommt das Handwerkszeug an die Hand“, sagt sie. „Auch auf Notfälle vorbereitet zu sein, hat mir Rückhalt gegeben.“
Philipp erinnert sich vor allem an die Themen Gruppendynamik, Jugendschutz und den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Das Gelernte kann er heute direkt einsetzen. In den Nachbarschaftsräumen seiner Gemeinde begleitet er Konfirmandinnen und Konfirmanden, unterstützt Jugendgruppen und engagiert sich bei Veranstaltungen wie dem Konfi Adventure. „Man kann Kreativität in die Programmplanung einbringen und Verantwortung übernehmen“, sagt er. Besonders motivierend sei das positive Feedback der Jugendlichen. „Wenn die Konfis Spaß haben und aktiv mitmachen, merkt man, dass sich die Arbeit lohnt.“
Ein besonderer Schwerpunkt der kirchlichen Juleica-Ausbildung liegt auf Gemeinschaft und Glauben. Neben pädagogischen Inhalten gehören Andachten, spirituelle Impulse und die Beschäftigung mit biblischen Geschichten dazu. Für Helene ist das ein wichtiger Bestandteil. „Ich hatte als Kind selbst viele schöne Erfahrungen in der Kirche. Die möchte ich an andere Kinder weitergeben“, sagt sie.
Auch Nicolay sieht darin einen wichtigen Auftrag. Die Ausbildung solle Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihren Glauben kennenzulernen und gleichzeitig Verantwortung für andere zu übernehmen. „Wenn Jugendliche keine Möglichkeiten finden, sich einzubringen, verlieren wir sie“, sagt sie. Deshalb setzt das Dekanat bewusst auf kleine Gruppen, intensive Begleitung und zahlreiche Einsatzmöglichkeiten nach der Ausbildung.
Für Philipp und Helene hat sich dieser Weg gelohnt. Während Helene heute die Jugendarbeit auf Dekanatsebene mitgestaltet, engagiert sich Philipp vor allem in seiner Heimatgemeinde. Beide eint die Erfahrung, dass die Juleica weit mehr ist als ein Zertifikat. Sie vermittelt Kompetenzen fürs Leben und eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, Kirche aktiv mitzugestalten.
„Man kann unglaublich viel bewegen“, sagt Helene. Und Philipp ergänzt, was viele Ehrenamtliche antreibt: „Wenn man sieht, dass die Jugendlichen Freude haben und gerne dabei sind, dann fühlt sich das einfach gut an.“