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Offenes Haus mit vielen Möglichkeiten

Das neue Gemeindezentrum Sankt Nicolai im Frankfurter Ostend verbindet genossenschaftliches Wohnen und kirchliche Räumlichkeiten auf einem Areal.

Vor 18 Jahren schon sei klar gewesen, bei den Räumlichkeiten der Evangelischen Sankt Nicolai-Gemeinde muss etwas passieren, berichtete Pfarrer Wolfgang Löbermann anlässlich der Eröffnung des neuen Gemeindezentrums Sankt Nicolai im Frankfurter Ostend Anfang 2026. 

Und tatsächlich ist in den vergangenen Jahren viel geschehen: Ein Teil des fast 2.800 Quadratmeter umfassenden Areals, das einst allein für Kirche, Gemeinde- und Pfarrhaus zur Verfügung stand, wurde der Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt am Main eG (WBG) im Erbbaurecht übergeben. Im August 2025 konnten die ersten der 15 Drei-bis Vierzimmerwohnungen, die auf 720 Quadratmetern des kirchlichen Grundstücks auf fünf Etagen entstanden sind, von den Mieterinnen und Mietern bezogen werden. Ein neuer Gemeindebau ist daneben entstanden. Die Kosten des Gesamtprojekts beliefen sich auf rund 9,3 Mio. Euro.

Drei Männer und eine Frau stehen in einem Flur eines Gemeindezentrums und halten einen Bilderrahmen mit der Kirchenskizze fest.Rolf Oeser
Zvonko Turkali (re.) übergab eine erste Skizze an (v.li.) dem Leiter der Bauabteilung des ERV, Cornelius Boy, Projektleiterin Antje Grell und Pfarrer Wolfgang Löbermann.

Der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach (ERV) und die Wohnungsbaugenossenschaft haben einen Entwurf des Frankfurter Büros Zvonko Turkali Architekten realisiert. Im Sommer 2026 konnte sich das Architekturbüro Turkali, die Bauabteilung des ERV und die Gemeinde über die Nominierung für die Auszeichnung „Vorbildliches Bauen im Land Hessen“ freuen. Aus über 100 Einreichungen wählte die Jury 23 Projekte für die Shortlist aus. Nominiert wurden sie in den vier Preiskategorien Architektur, Innenarchitektur, Freiraum- und Landschaftsplanung sowie Quartiersplanung und Stadtentwicklung. Vergeben wird der Preis vom hessischen Finanzministerium sowie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. 

„Mit dieser Shortlist-Nominierung wird unser baukulturelles Engagement auf besondere Weise gewürdigt. Wir freuen uns, dass die städtebaulichen Ideen aus dem Wettbewerb gemeinsam mit der WBG bis zur Realisierung konsequent umgesetzt werden konnten. Die gelungene Verdichtung, das moderne Gebäudeensemble und die neuen Außenräume werten den Standort nachhaltig auf und schaffen einen lebendigen Ort im Quartier“, äußert Cornelius Boy, Leiter Abteilung Bau, Liegenschaften und Hausverwaltung des Evangelischen Regionalverbandes. 

Die Verwaltung des Nachbarschaftsraums Ost, dessen Einzugsgebiet von den Frankfurter Stadtteilen Seckbach, Bornheim, Nordend, Ostend bis in die Stadtteile Riederwald und Fechenheim reicht, ist nun hier ansässig. Ein 145 Quadratmeter umfassender Gemeindesaal und zwei Gruppenräume stehen neben den Büros in dem Neubau zur Verfügung. 

Ein heller Raum mit Holzboden und vielen Holzstühlen.Rolf Oeser
Die schönen hellen Räume des Zentrums sind barrierefrei erreichbar.

Bei der Auswahl der Materialien habe man sich an denen der Kirche orientiert, erläutert die für das Projekt verantwortliche Mitarbeiterin der Bauabteilung des ERV, Antje Grell: So wurde zum Beispiel die Natursteinfassade der Kirche als verbindendes Element an den Straßenfassaden und im Hof weitergeführt. Sichtbetonoberflächen und Betonsichtmauerwerk sind die charakteristischen Materialien im Gemeindehaus.

Das Gemeindezentrum schließt direkt an die Kirche an. Zwei großzügige Verbindungstüren ermöglichen beide Gebäude für Veranstaltungen zu einer Einheit zu verknüpfen. Sämtliche Räume, einschließlich der Toiletten, sind barrierefrei. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist vorhanden mit U-Bahnhaltestelle, Straßenbahn und Bus. Auch der Ostbahnhof ist fußläufig erreichbar. Für das Wohngebäude und das Gemeindezentrum stehen 28 Tiefgaragenplätze zur Verfügung, die sich beide Seiten teilen.

Eine weiße Kirche mit grünem Dach, daran schließt sich ein überdachter Platz an, der in der Mitte eine runde Öffnung hat.Rolf Oeser
Das neue Gemeindezentrum schließt direkt an die Kirche an.

Die Küche ist so mit dem Foyer verbunden, dass auch hier gefeiert werden kann. Die Türen zum Hof hin öffnen den Raum nach außen und machen die Hoffläche direkt nutzbar. So entsteht ein attraktiver Treffpunkt im Freien, der zum Verweilen einlädt. Inmitten des Hofes ist eine Hopfenbuche platziert, eine lange Bank und eine Rundbank laden zum Verweilen ein. „Zwischen Innen und Außen entsteht somit ein räumliches Kontinuum ohne Stufen, ohne Grenzen. Hier ist jede und jeder willkommen – unabhängig von Alter, kultureller oder sozialer Herkunft und persönlichen Interessen“, so das Büro Turkali in der Baubeschreibung. In den ersten Monaten konnten schon viele sich davon überzeugen: Es ist ein offenes Haus mit vielen Möglichkeiten entstanden.