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Herzensmenschen für Familien in Not

Seit 30 Jahren unterstützt der Verein GANZ e.V. Familien in Notsituationen. Mit Augenmaß, Kompetenz und Herzenswärme setzt sich das erfahrene Team für kranke Mütter, Väter und Kinder ein und hilft ihnen, den Alltag zu bewältigen.

Jenny E. öffnet die Haustür. Sie hat Ringe unter den Augen, aber sie lächelt. „Schön, dass du da bist“, sagt sie zu Familienhelferin Astrid Köpler, die um 13 Uhr geklingelt hat. Im Auftrag des Familienzentrums GANZ e.V. in Neu-Anspach unterstützt Köpler die Familie im Wechsel mit einer anderen Helferin zurzeit täglich nachmittags.

Jenny E. ist Mutter von drei Kindern und hat nach einer schweren Krebserkrankung keine Speiseröhre mehr. Nach der Reha muss sie lernen, mit ihrem neuen Schlauchmagen umzugehen, und langsam wieder zu Kräften kommen. Ihr Mann ist beruflich viel unterwegs und drei Jungen im Alter von zwei, sechs und neun Jahren müssen versorgt werden.

Für Normalität im Alltag sorgen

„Neben der Unterstützung meiner Eltern hatte ich anfangs nur eine Hilfe beim Kochen und Putzen“, erzählt die Mutter. „Aber das Wichtigste ist doch, dass das Leben für meine Kinder so normal wie möglich weitergeht.“ Eine Freundin empfahl ihr den Verein in Neu-Anspach und berichtete von ihren sehr guten Erfahrungen mit einer Helferin nach der Geburt von Drillingen. „Ich bin sehr froh, dass Astrid mir jetzt mit den Kindern hilft“, sagt Jenny E.

Köpler ist gelernte Arzthelferin, Heilpraktikerin und selbst auch Mutter erwachsener Kinder. Wenn sie mittags ihren Dienst bei der Familie antritt, setzt sie sich erst einmal mit der Mutter an den Küchentisch und bespricht, was zu tun ist. Heute erzählt die Rekonvaleszentin, dass sie alle zwei Stunden etwas essen muss, um sich von der künstlichen Ernährung auf feste Nahrung umzustellen. Köpler hört zu, ermutigt und gibt praktische Tipps, ohne sich aufzudrängen.

Zwei Frauen stehen in der Küche und kochen, sie haben gerade Gemüse geschnitten, dass sie eine Schüssel füllen.Franziska Haaf
Für die erkrankte Mutter ist die Unterstützung durch den Verein GANZ e.V. eine große Erleichterung.

Kochen, stärken, spielen

Dann hängt die Familienhelferin im Keller Wäsche auf. Sie kocht nach einem Rezept der Mutter und isst mit der Familie, wenn die Kinder aus Krippe, Kindergarten und Schule kommen. „Jenny ist sehr gut organisiert“, sagt Köpler. „Sie ist die Einzige, die hier den Überblick hat.“ Positive Verstärkung zählt sie mit zu ihren Aufgaben. Der Nachmittag gehört ganz den Kindern. Köpler spielt mit ihnen im großen Spielkeller, macht mit dem Neunjährigen Hausaufgaben oder übernimmt Fahrdienste. Denn die Familienmutter ist körperlich noch sehr schwach. „Ich wurde ja lange künstlich ernährt und habe kaum noch Muskelkraft“, sagt sie. „Ich darf nicht mehr als fünf Kilo heben.“ Mit schweren Schicksalen und belastenden Situationen kann die Familienhelferin gut umgehen. „Allerdings wachsen einem die Kinder in den Familien immer so sehr ans Herz“, sagt sie. „Aber ich habe schon viel an mir gearbeitet, sodass ich auch loslassen kann, wenn meine Hilfe nicht mehr gebraucht wird.“

Eine Frau und ein kleiner Junge sitzen sich in einer Wohnung lachend gegenüber, die Frau hält einen Plüsch-Pandabären in der Hand.Franziska Haaf
Den Kindern etwas von der Last nehmen und gemeinsam Spaß haben, auch eine Aufgabe von Familienhelferin Astrid Köpler.

Der Funke muss überspringen

Köpler ist eine von 23 „Herzensmenschen“, wie Einsatzleiterin Diana Voßenkaul und Büroleiterin Nicole Ingrisch vom Familienzentrum GANZ e.V. ihre Mitarbeiter*innen nennen. „Bei uns bewerben sich Arzthelferinnen, Erzieherinnen, Lehrer*innen und andere“, erzählt Ingrisch. Schon im Vorstellungsgespräch zeige sich schnell, ob ein „inneres Licht“ angehe, wenn Bewerber*innen von ihrer Arbeit erzählten. „Da muss ein Funke überspringen, denn wir sind kein getakteter Pflegedienst, sondern gehen auf die besonderen Bedürfnisse der Menschen ein, die Unterstützung und Zuwendung brauchen.“ 

GANZ e.V. ging vor 30 Jahren aus einer Diakoniestation hervor und ist bis heute Mitglied der Diakonie. Mitte der 1990er-Jahre entstand in Neu-Anspach ein Neubaugebiet, und vielen Menschen dort fehlte die familiäre Anbindung an Großeltern oder Geschwister. Diese soziale Lücke wollte der Verein mit einer „Familienfeuerwehr“ schließen und hat sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Finanziert werden die Einsätze und ihre Verwaltung von den Kranken- und Pflegekassen sowie dem Jugendamt. Land und Kommunen unterstützen zusätzlich. Ingrisch weiß auch Rat, wenn die Kassen zunächst zögern, die Familienhilfe zu bezahlen. „Gerade Frauen wissen oft nicht, was ihnen zusteht“, sagt sie.

ZWei Frauen sitzen im Büro, im Hintergrund ein Rollup, sie blättern in Unterlagen.Franziska Haaf
Mit großem Engagement leiten Diana Voßenkaul (l.) und Nicole Ingrisch das Familienzentrum GANZ e.V.

Wertschätzende Teamarbeit

Voßenkaul und Ingrisch haben beide jahrelang in der Wirtschaft gearbeitet, finden es aber viel erfüllender, sich für Menschen einzusetzen. „Die beiden Frauen sind auch selbst die Herzensmenschen, die sie suchen, und machen ehrenamtlich viele Überstunden“, erzählt Köpler. „Sie sind so unglaublich wertschätzend. Ich fühle mich bei ihnen und im gesamten Team sehr wohl.“

Der Verein organisiert auch regelmäßige Teamabende, bei denen die Mitarbeitenden ihre Erfahrungen analysieren und sich austauschen können. Bei Bedarf vermitteln sie auch psychologische Unterstützung. Schwerpunkt der Arbeit von GANZ e.V. ist die Unterstützung von Familien in Notsituationen. Der Verein hilft aber auch Menschen mit einem Pflegegrad und Jugendlichen, die Orientierung oder Bewerbungstraining brauchen. Außerdem qualifiziert und vermittelt er Personen für eine Tagespflege. Um eine neue soziale Lücke zu schließen, stehen demnächst Angebote zum Thema ADHS auf der Agenda.

30 Jahre „Familienfeuerwehr“

GANZ e.V. versteht sich als Teamplayer. Seit 2017 koordiniert der Verein das GenerationenNetzwerk Neu-Anspach, das neben der Stadt viele soziale und karitative Einrichtungen miteinander verbindet. Bei regelmäßigen Veranstaltungen wie dem Kreativmarkt oder dem Anspacher Sommer können die Partner sich und ihre Arbeit vorstellen und sich bei Netzwerktreffen über Aktuelles austauschen.

„So werden die Hilfsangebote in unserem Sozialraum für alle sichtbar und für Menschen, die Hilfe benötigen, leichter zugänglich“, sagt Ingrisch. Netzwerkpartnerin ist auch die evangelische Kirchengemeinde Hausen-Westerfeld: Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums von GANZ e.V. feiern sie dort am 14. September 2025 einen Gottesdienst mit anschließendem Sektempfang.

Familienzentrum Ganz e.V.